Hanf – ein echter Weltbürger!

Hanf – ein echter Weltbürger!

Hanf ist heute als Kulturpflanze als auch verwildert weltweit in den gemäßigten bis tropischen Zonen zuhause. Seine Verbreitung hat er auch dem Menschen zu verdanken. Heute verfolgt ihn seine einstiger Förderer allerdings mit aller Härte. Wie verträgt sich das mir dem Artenschutzgedanken?

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen. In seiner Wildform nutzt ihn der Menschen wohl schon seit der Steinzeit, frühe Nomadenvölker verbreiteten ihn in ganz Eurasien. Zu Beginn wohl noch nicht in Ackerbaukultur, sondern als Wildpflanze, deren Samen an Lagerplätzen zurückgelassen, womöglich aber auch gezielt ausgesät wurden.

Aus genau diesem Grunde lässt sich heute auch nicht mehr sagen, wo genau der Hanf ursprünglich herkommt. Mancher meint aus Afrika, gemeinhin vermutet wird allerdings Zentralasien. Doch wo genau dort, darüber wiederum streiten die Gelehrten. Der eine sieht die Heimat des Hanfs in den schroffen Berghängen Kaschmirs, während andere Kasachstan, Pakistan, Nepal, Indien oder Tibet vermuten. Ebenfalls in der Diskussion sind Mesopotamien jene Region zwischen Euphrat und Tigris sowie das Huang He Tal am Gelben Fluss in China.

Ähnlich groß ist die Unsicherheit bei der Frage, wo und wie sich die Inkulturnahme der ursprünglich einmal wilden Pflanze vollzogen hat. Verwilderte Hanfpflanzen lassen sich von wilden nämlich kaum unterscheiden. Archäologische Untersuchungen gestalten sich deshalb schwierig, weil Hanf ein echtes Ökoprodukt, also zu 100% biologisch abbaubar ist. Die ältesten erhaltenen Funde von aus Hanf gewebten Stoffen lassen sich auf etwa 8.000 v. Chr. datieren. Für China ist belegt, dass „Ma“ – wie ihn die Chinesen nennen – dort seit mindestens 8.000 Jahren genutzt und wohl auch kultiviert wird. Die älteste Fundstätte in Europa liegt im Raum Stuttgart und deuten eine Nutzung seit rund 2.800 Jahren an.

Übergang von der Steinzeit zur Ackerbaukultur

In Asien fällt der Hanfanbau damit in das Neolithikum. Jene Phase unserer Kulturgeschichte also, als der Mensch vom sammeln und jagen zum Ackerbau überging. Gut möglich, dass der Hanf dabei Nachhilfeunterricht gegeben hat. Denn wilder Hanf breitet sich teilweise über mehrere Hektar aus und bildet somit natürliche Hanffelder. Solche wilden „Ackerkulturen“ sind von den Jägern und Sammlern mit Sicherheit zur Zeit der Samenreife aufgesucht worden um Fasern für Kleidung, Samen als Nahrung sowie Blüten als Medizin zu sammeln. Insbesondere in den fruchtbaren Tälern werden sich die Jäger und Sammler dann eines Tages niedergelassen haben. Sie zogen dem Wild von nun an nicht mehr nach, sondern unternahmen ihre Jagdzüge von dauerhaften Siedlungen aus. Den wilden Hanf hatten sie schon lange vorher überall dort verbreitet, wo sie auf ihren Beutezügen immer wieder eine zeitlang ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Nach West- und Südeuropa gelangte der Hanf im Norden wohl über Russland sowie südlich über den Kaukasus und den fruchtbaren Halbmond. Aus den dort ausgesäten frühen Kulturpflanzen entwickelten sich im gesamten Verbreitungsgebiet über die Jahrtausende hinweg verwilderte Formen, die sogenannten Landrassen (in Mittel- und Osteuropa Cannabis sativa var. spontanea).

Varietäten also, die an Standort und Klima angepasst, und im Verlauf ihrer evolutionären Geschichte zu einem festen Bestanteil von Flora und Fauna geworden sind. Beim Hanf handelte es sich dabei nie um eine invasive Art. Ganz im Gegenteil. Hanf ist Lebensraum für viele Insekten, seine Saat stellt eine wertvolle Nahrungsquelle für Vögel und Kleinsäuger (insbesondere Nagetiere) dar.

Systematische Verfolgung einer alten Kulturpflanze

Seit den zwanziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts gab es – ausgehend von den USA – allerdings zunehmend politische Bestrebungen, den Hanf zu einer illegalen Pflanze zu erklären. Dies änderte sich nur kurzzeitig während des zweiten Weltkrieges, als insbesondere die Marine große Mengen an Tauwerk benötigte. In den 1960er Jahren wurde die Pflanze dann schließlich weltweit geächtet. In dieser Zeit wurden auch die heimischen Landrassen in Westdeutschland dezimiert und schließlich vollständig eliminiert. In der DDR war dies nicht der Fall. Hier wurden in der freien Wildbahn und als Kulturfolger vorkommende Pflanzen erst nach der Wende vollständig ausgerottet.

Hat der einheimische Hanf überlebt?

Möglicherweise hat der einheimische Hanf die systematische Verfolgung aber doch überlebt. So ist es möglich, dass einige Pflanzenliebhaber – die Ausrottung sehenden Auges mitverfolgend – wenige Exemplare weitergezüchtet haben. Da dies derzeit illegal ist werden sich solche Hobby-Züchter und Artenschützer allerdings niemals dazu äußern oder bekanntgeben, die einheimische Landrasse vor dem vollständigen Erlöschen bewahrt zu haben.

Aus Sicht des Artenschutzes sollte das Verbot der Erhaltungszucht des einheimischen Hanfs daher dringend beendet werden. Stattdessen sollte man sich lieber fragen, ob diese vielseitigen und ökologisch gesehen wertvollen Pflanze – die unsere Kulturgeschichte entschieden mitgeprägt hat – nicht vielmehr Teil des Weltkulturerbes ist.

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Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé
Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885
Quelle: Wikipedia